Habe ich eine weiche Reiterhand?

Wenn wir Reiter beobachten, können wir auf den ersten Blick eine sehr rohe ruckartige Einwirkung der Hand von einer ruhigen Hand mit wenig deutlicher Einwirkung unterscheiden.

Nicht richtig ist es, eine ruhige Hand auch automatisch als weiche Reiterhand zu beurteilen.

M. trapezius, M. deltoideus, M. pectoralis, M. levator scapulae, M. splenius, M. teres minor und M. teres major, M. biceps brachii, M. brachialis, M. flexor digitorum, M. extensor digitorum, M. extensor radials, M. extensor carpi radialis, M. flexor carpi radialis, M. brachioradialis, M. anconeus …......
Dieses sind alles Muskeln die in unserem Arm aktiv sind, wenn wir einen Zügel halten. Dazu kommen noch alle Muskeln in der Hand und den Fingergelenken, die ich hier nicht mit aufgeführt habe.

Alle diese Muskeln müssen miteinander harmonieren, wenn weiche und harmonische Gelenkbewegungen stattfinden.

Wollen wir uns das ganze vereinfacht ansehen. Auf dem folgenden Bild sehen wir an jedem Gelenk große und kleine Muskeln, die für die Stabilität und Bewegung eines Gelenkes zuständig sind.
Wenn ein Gelenk gebeugt wird muss ein Muskel anspannen (rot eingezeichnet) und ein Muskel muss sich dehnen lassen (grün eingezeichnet) und einige weitere Muskeln drum rum (gelb eingezeichnet) halten eine relative Muskelspannung um trotz der Gelenkbewegung auch eine Stabilität zu erzeugen.

Je nachdem wie viel Gewicht wir in der Hand halten, während unsere Gelenke (Schultern, Ellenbogen, Hand) aktiv sind, muss auch stabilisierende Haltearbeit geleistet werden.

Das Zusammenspiel dieser vielen Muskeln funktioniert relativ reibungslos, wenn alle Muskeln gesund und kräftig sind und wenn der Mensch sich gut fühlt. Sobald der Mensch Angst oder Stress empfindet, spannen Muskeln an, die die Gelenkbewegungen stören und die Bewegungen härter und fester werden lassen.

Da wir Menschenaber in einer zivilisierten Welt leben, in der die feine Muskelarbeit nicht mehr wirklich wichtig ist, arbeiten unsere Muskeln insgesamt nicht mehr so sorgfältig miteinander, wie es eigentlich sein sollte.  

In jedem Gelenk des Armes und der Hand kann auf dem Pferd die harte Reiterhand entstehen, wenn die beteiligten Muskeln nicht effektiv zusammen arbeiten.

Harte Gelenkbewegungen entstehen vor allem, wenn Muskeln nicht entspannen, während ein Gelenk bewegt wird. Diese Anspannung ohne Anlass entsteht meistens beim Reitanfänger, der sich auf dem Pferd instinktiv festhalten will. Während des Reitenlernens werden dann die Muskeln lockerer aber eine Restspannung bleibt erhalten, an die wir uns gewöhnen und die wir dann nicht mehr wahr nehmen. Diese Restspannung verhindert die wirklich weiche Reiterhand.


Übung ohne Pferd:

Stelle Dich aufrecht hin. Hebe einen Arm als ob Du einen Baum umfassen würdest. Nun entspanne alle Muskeln, die nicht benötigt werden, um den Arm in dieser Haltung zu belassen.
Fühle in Deinen Hals: Die Schultern sollen entspannt hängen.
Fühle in Deine Schulter: die Muskeln vorne und hinten am Schulterblatt sollten entspannen.
Fühle in Deinen Oberarm: Alle Muskeln rund um Deinen Oberarmknochen sollen entspannt sein.
Fühle in Deinen Unterarm: Alle Muskeln rund um Elle und Speiche sollen entspannt sein
Fühle in Deine Hände: Alle Muskeln sollen entspannt sein.

Nun bewege Deinen Arm langsam und allmählich zur Seite, nach oben und nach unten ohne die runde „Baum Umarmen - Haltung“ aufzugeben und Muskeln anzuspannen, die nicht unbedingt gebraucht werden.

Wiederhole die Übung mit dem anderen Arm.

Wiederhole die Übung auf dem Pferd erst ohne Zügel, dann mit Zügel in der Hand.

Kontrolliere bewusst die Muskelarbeit deines Armes, während Du die Bewegungen mit den Händen machst, die Du üblicherweise während Deiner Reitstunde machst.


Jeder Reiter, der in einem Tai Chi – für Reiter – Seminar diese Übung macht ist sehr erstaunt, wie sehr sich die Bewegungen seiner Hände auf dem Pferd verändern und immer weicher werden.

Das Pferd dankt es durch eine immer weiter zunehmende Leichtrittigkeit, denn es kann die Schutzanspannung aus Angst vor der Reiterhand aufgeben.

Bevor ich Tai Chi gemacht habe, war es mir schon viele Jahre lang sehr wichtig, mit weicher Hand zu reiten doch erst durch das Tai Chi habe ich gelernt, wie viel weicher ich noch werden kann.







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