Wie lange nehmen Sie schon Reitunterricht? ...und wie viel haben Sie gelernt?


Die unsichtbare Schranke zum "Künstler sein" auf dem Pferd

Kennen Sie das? Sie arbeiten diszipliniert mit ihrem Pferd, nehmen Unterricht, reiten auf Lehrgängen mit und lesen Fachbücher und trotzdem, trotz aller Mühe wird es irgendwie nicht so richtig schön, nicht so, wie sie es sich eigentlich damals vorgestellt hatten, als der Traum Reiten zu lernen noch ein nicht verwirklichter Traum war.

Vielleicht ändern sie auch die Reitweise oder die Ausbildungsmethode und gehen neuen Mutes auf den Weg zur Reitkunst und wieder stoßen sie irgendwann an diese verfluchte unsichtbare Schranke und es geht einfach nicht weiter.

Sie träumen davon mit dem Pferd eine Einheit zu sein, sie träumen davon, ihrem Pferd zu vertrauen, sie träumen davon mühelos in wunderbarer Haltung auf dem Pferd zu sitzen, wie man es doch so oft sieht....

Aber er klappt nicht.  Sie kommen einfach nicht weiter. Und je mehr sie daran arbeiten, desto mehr verkrampfen sie innerlich und äußerlich und irgendwie ist eigentlich nichts so, wie sie es sich eigentlich damals erträumt haben.....

Was ist anders bei diesen Menschen, denen die Reitkunst "in die Wiege" gelegt wurde,  was ist anders bei diesen Menschen, die einfach so reiten lernen und kontinuierlich immer besser werden?

Ich behaupte, dass 9 von 10 Reitern nicht zur Perfektion finden, weil ihre persönliche unsichtbare Schranke die Angst ist. 

So viele?

Menschen, die gut reiten können, haben keine Angst davor, vom Pferd zu fallen. Häufig sind es Menschen, die bereits als kleines Kind mit dem Pony über die Wiesen galoppiert sind und wenn sie unten lagen eben wieder aufgestiegen sind. Na und? Sie sind selbstsicher und zuversichtlich, weil sie immer gute Erfahrungen gemacht haben. Ihr Glaube an sich selbt ist gefestigt. 

Das kann man aber nicht erzwingen, die meisten Reiter leben in einem Teufelskreis:
Angst macht unsicher und Unsicherheit macht Angst. 

Es ist nicht nur die direkte und ehrliche Angst sondern es ist vor allem die versteckte Angst, die man verdrängt hat, an die man sich gewöhnt hat und die man unbewußt tagtäglich überspielt. Der Körper kann nicht lügen oder verdrängen, der Körper ist in der Angsthaltung gefangen, auch wenn man das nicht direkt spürt.
Oft ist es auch nicht die Angst vor dem Pferd sondern die Angst vor anderen Menschen und deren Meinung. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft und wer das Reiten nicht lernt, fühlt sich auch schnell vor den anderen Reitern als Versager.
Oft ist es die Angst vor den viel zu schnellen Lernschritten, die von den Mitreitern oder Lehrern erwartet werden und Mensch und Pferd überfordern..
Ja - und oft ist auch die Angst vor dem unbekannten Wesen - oder kennen Sie ihr Pferd wirklich?

Aber einer der wichtigsten Gründe ist der, 
dass eine begründete Angst da ist, weil man sich selber richtig einschätzt und weiß, dass man nicht sportlich genug ist, um sich ungezwungen der Pferdebewegung anpassen zu können.

Sobald Angst da ist, egal aus welchen Gründen - wird man von den eigenen Urinstinkten und Reflexen dazu gezwungen sich auf dem Pferd festzuhalten und / oder festzuklammern und sobald man das macht, ist gutes Reiten unmöglich. Willenskraft kommt dagegen nicht an, das wissen alle, die bereits lange gegen ihre Angst kämpfen. 

Die chinesische Kampfkunst Tai Chi und die Übungen aus dem Qigong sehen nicht nur sehr ästhetisch aus sondern sie sind für Reiter ein Weg, die Angst durch Förderung der körperlichen Fähigkeiten und durch Förderung der mentalen Fähigkeiten aufzulösen.

Wer Tai Chi praktiziert, trainiert äußerst effektiv das System der Haltemuskeln seines Körpers. Hierdurch findet man sicher in sein persönliches Gleichgewicht und kann dieses auch ganz selbstverständlich während der Pferdebewegung halten. Ein wunderbares Gefühl!

Wer Tai Chi praktiziert, wird ruhig im Geist. Gelassenheit stellt sich ein. Das Leben mit dem Pferd findet wieder die einfachen Wege der natürlichen Kommunikation ohne die ganzen störenden "Nebengeräusche".

Unser Denken und unsere Gefühle zeigen wir mit unserer Körpersprache. Tai Chi praktizierende Menschen zeigen sehr schnell eine Körpersprache, die die Instinkte anderer Menschen und die Instinkte der Pferde positiv anspricht. Die Tiere finden schnell Vertrauen und werden zu zuverlässigen Partnern.

Die unsichtbare Schranke hebt sich und der Traum  wird wahr.


Kommentare